80 Millionen Hooligans. Deutsche Zustände im Fokus antinationaler und antideutscher Kritik.

von talpebremen

Tagesseminar mit associazione delle talpe am Samstag, 18. Oktober 2014

Als vor 25 Jahren mit dem Fall der Mauer das realsozialistische Experiment endete, geriet die Linke in all ihren Spielarten in eine tiefe Krise. Trotz rapide zunehmender gesellschaftlicher Marginalität machten die meisten dennoch weiter wie bisher. Auch die deutsche “Wiedervereinigung” und damit einhergehende nationalistische Pogrome konnten viele linke Gruppen nicht von ihrer Begeisterung für Volk und Massen abbringen. Zwar hatte bereits in den 1980ern Wolfgang Pohrt die deutsche Friedensbewegung als “nationale Erweckungsbewegung” kritisiert, war dabei aber vor allem auf vehemente Empörung gestossen. Die meisten Linken wollten Volk und Nation nicht der Rechten überlassen, sondern sahen diese vielmehr als Bezugspunkte im antiimperialistischen Kampf. In den 1990ern waren es zwar ebenfalls nur wenige, die sich kritisch mit bisherigen Essentials linker Bewegungspolitik wie Antiimperialismus, Antizionismus und Befreiungsnationalismus auseinandersetzten, aber der entstehenden antinationalen und antideutschen Linken gelang es mit ihren Kritiken zumindest, manche linke Gewissheiten in Frage zu stellen. Antisemitismus, Rassismus und Nationalismus wurden nicht länger als simple Herrschaftsinstrumente zur Spaltung der vermeintlich rebellischen Massen mißverstanden und bagatellisiert, sondern als zentrale Elemente deutscher Zustände in den Fokus theoretischer Analysen und praktischer Kritik gerückt. Statt “dem Volke dienen” zu wollen, richtete sich linksradikale Politik nun auch gegen den deutschen Mob.

Das Tagesseminar ist als eine Einführung in die Geschichte der antinationalen und antideutschen Linken gedacht. Nach einer einleitenden Skizze zu Entstehung und Entwicklung der antinationalen und antideutschen Linken werden verschiedene kürzere Texte gemeinsam gelesen und diskutiert. Themen sind unter anderem die Kritik an der Friedensbewegung, die Debatten um Golf- und Jugoslawienkrieg, Antizionismus und Antisemitismus, nationalsozialistische Kontiuität sowie völkischer Nationalismus und Rassismus. Vorbereitende Lektüre wird nicht vorausgesetzt, ein Seminarreader ist geplant.

Eine Veranstaltung von c3. Anmeldungen unter c3@riseup.net

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