November 2009: Antifa-Intros!

von talpebremen

intros.antifa

***Die Entwicklung rechter Ideologie hin zum Nationalsozialismus

Wochenendseminar mit  Volker Weiss (Hamburg)

7.-8.11.2009 im Infoladen Bremen, St. Pauli-Str. 10-12

***Was tun, wo es brennt.

Eine kleine Geschichte des autonomen Antifaschismus

Diskussionsveranstaltung mit Daniel Schlüter (Hamburg)

13. November 2009 / 19-21.30 Uhr / Infoladen Bremen / St. Pauli-Str. 10-12

Die Entwicklung rechter Ideologie hin zum Nationalsozialismus

Wochenendseminar mit  Volker Weiss (Hamburg)

7.-8.11.2009 im Infoladen Bremen, St. Pauli-Str. 10-12

Wie viele weitere völkische Gruppierungen proklamiert die nach dem Ende des Ersten Weltkrieges gegründete Nationalsozialistische Arbeiterpartei Deutschlands (NSDAP) einen vehementen Antisemitismus, Antiliberalismus und Antimarxismus und avanciert spätestens seit Ende der 1920er zu einer Massenpartei mit großen Wahlerfolgen. Die nationalsozialistische Herrschaft von 1933 bis 1945 steht für die Zerschlagung der sozialdemokratischen und kommunistischen Arbeiter_innenbewegung, die fast vollständige Ermordung der europäischen Jüdinnen und Juden, den Vernichtungskrieg im Osten und viele weitere Verbrechen. Besonders Auschwitz markiert einen Zivilisationsbruch: Geschichte kann nicht länger einfach als kontinuierlicher Prozess hin zur Emanzipation der Menschheit von Ausbeutung und Unterdrückung verstanden werden, sondern Auschwitz zeigt ebenso die Möglichkeit des Rückfalls in die Barbarei.

Mit der militärischen Niederschlagung durch die alliierten Truppen endet 1945 zwar die Herrschaft des nationalsozialistischen Regimes. Eine antifaschistische Kritik und Praxis wird dadurch aber leider nicht hinfällig. Lange existieren in der postnazistischen Bundesrepublik personelle und ideologische Kontinuitäten weiter. Auch rege Aktivitäten aktueller neonazistischer Bewegungen und ein deutscher Erinnerungsdiskurs, der die nationalsozialistische Vergangenheit verharmlost oder in seiner linksliberalen Variante nicht trotz sondern wegen Auschwitz neue deutsche Kriegseinsätze legitimiert, erfordern stets wieder antifaschistische Interventionen und die Aktualisierung antifaschistischer Kritik.

Am ersten Seminartag wird in die  Geschichte der radikalen Rechten in Deutschland (ab 1890) eingeführt, die mit den zeitgenössischen kulturkritischen und politischen Strömungen in Deutsch-

land und Europa in Beziehung gesetzt wird. Der zweite Tag widmet sich darauf aufbauend den verschiedenen theoretischen Bewältigungsversuchen, also den „Faschismustheorien“. Auf der Basis gemeinsamer Quellenlektüre soll die Entwicklung des faschistischen Weltbildes nachvollzogen werden: Seine Konzeption einer „alternativen Moderne“ und die scheinbare Integration aller  gesellschaftlichen Schichten in den „Volkskörper“  durch den nationalen Mythos. In dieser Transformation des alten Konservatismus in eine Abwehraggression gegen Liberalismus und Marxismus sollte sich eine europäische  Geistesströmung manifestieren, die im Faschismus bzw. Nationalsozialismus mündete.

Volker Weiss ist Historiker aus Hamburg und schreibt unter anderem für jungle world und Phase 2.

Das Wochenendseminar wird organisiert von associazione delle talpe in Kooperation mit der Reihe antifaschistische Perspektiven des Erinnerns der Rosa Luxemburg Initiative Bremen. Anmeldung und weitere Informationen unter talpe@gmx.net.

Was tun, wo es brennt.

Eine kleine Geschichte des autonomen Antifaschismus

Diskussionsveranstaltung mit Daniel Schlüter (Hamburg)

13. November 2009 / 19-21.30 Uhr / Infoladen Bremen / St. Pauli-Str. 10-12

Lange Zeit hatten Antifas in der Linken einen Ruf, wie der Torwart eines Fußballteams. Zwar sagt es keiner laut, aber alle glauben zu wissen: er hat eine Macke. Die ›Macke‹ der Antifa bestand nicht nur darin, auf Grundlage eines vergleichsweise hohen Organisierungsgrades die fast schon professionelle Verfolgungstätigkeit einer überschaubar großen Neo-Nazi-Szene zu etablieren, sondern auch darin, diese eingeschränkte Perspektive gleichzeitig zum strategischen und politischen Ausgangspunkt sehr viel weitergehen der, im weitesten Sinne linksradikaler Forderungen und Zielsetzungen zu erklären. Trotz oder vielleicht wegen dieses inneren Spannungsverhältnisses zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist ›Antifaschismus‹ in den vergangenen gut 25 Jahren zu einem, wenn nicht zu dem zentralen Handlungsfeld autonomer Politik geworden. Während im allgemeinen Niedergang der Bewegungslinken Ideen und Erfahrungen realer Gegenmacht zum Fall für die Geschichtsbücher werden, präsentiert sich die Antifa weiterhin als gut organisierter, durchsetzungsstarker und von Nachwuchssorgen weitgehend freier Politikbetrieb. Inwiefern allerdings überhaupt von »der Antifa« gesprochen werden kann, ist kaum geklärt. Ob es also überhaupt eine gemeinsame Geschichte gibt, welche inhaltlichen Übereinkünfte und Traditionslinien existieren, wo Brüche und Widersprüche liegen, was aus den Erfahrungen für heutige politische Praxis zu lernen ist, all diese Fragen sollen an diesem Abend angesprochen werden. Die Veranstaltung gliedert sich dabei in drei Teile. Zunächst werden in einem ersten Teil die gesellschaftspolitischen Rahmenbedingungen zur Herausbildung des autonomen Antifaschismus dargestellt. Dies betrifft zum einen die Rezeption theoretischer Stichwortgeber, die Rolle der Antifa innerhalb der autonomen Bewegung als auch die damalige Situation des bundesdeutschen Neo-Nazismus. Der zweite Teil widmet sich der illustrierten Darstellung autonomer Antifapolitik und beschreibt deren praktische und theoretische Entwicklung vom »revolutionären Antifaschismus« über die »Bewegungs-Antifa», hin zu einer »essentiellen« antifaschistischen Praxis. Im ab schließen den Teil sollen Brüche und Kontinuitäten zum Bild einer »post-autonomen« Antifa zusammen gesetzt werden.

Daniel Schlüter ist Politikwissenschaftler in Hamburg.

Die Veranstaltung wird organisiert von associazione delle talpe in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Initiative Bremen.

Die Einführungen setzen keine Vorkenntnisse voraus. Gewünscht ist eine respektvolle und offene Diskussionskultur, bei der sich niemand für Fragen zu genieren braucht oder sich wegen detaillierter Expert_innendebatten langweilen muss. Mit den Einführungen möchten wir zu Diskussionen über Geschichte, Theorie und Praxis der radikalen Linken anregen. Dabei geht es uns um die gemeinsame Aneignung und Weiterentwicklung kritischen Wissens. Denn die Waffen der Kritik gilt es für künftige Auseinandersetzungen scharf zu halten …

Advertisements