Im Zeichen des Opfers. Zum Stand der deutschen Vergangenheitsbewältigung

von talpebremen

Ein Vortrag mit Filmbeispielen mit Tobias Ebbrecht.

am Fr, den 28.11.08 um 19.30 Uhr in der Villa Ichon, Goetheplatz 4, Bremen

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe zum 9.November.

Der Umgang mit der Nazivergangenheit in Deutschland hat in den letzten 15 Jahren eine vollständige Umwertung erfahren, die in engem Zusammenhang mit einer zentralen Perspektivenverschiebung innerhalb der deutschen Gedenkkultur steht. Seitdem die deutschen Verbrechen als exklusives Erbe in die neue nationale Identität integriert wurden, kann umso befreiter ein Opferselbstbild kultiviert werden, das Elemente und Versatzstücke des Gedenkens an die Shoah integriert und umwertet. Es handelt sich um eine deutsche Viktimisierung nach der Auseinandersetzung mit Auschwitz. 63 Jahre nach der Kapitualtion fühlt man sich selbstbewusst als Opfer von Reeducation und Amerikanisierung und pflegt eine Kultur des Opfers, die im weltweiten Dschihadismus längst ihr mörderisches Pendant besitzt.

Tobias Ebbrecht ist Filmwissenschaftler und lebt in Berlin. Er ist Mitherausgeber des Buches „The final Insult. Das Diktat gegen die Überlebenden“ (Münster 2003) und des Sammelbandes „Deutschlandwunder. Wunsch und Wahn in der postnazistischen Kultur“ (Mainz 2007).

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