Einführung zu Geschichte, Theorie und Rezeption des Operaismus

von talpebremen

Intros:
Einführungen in kritische Gesellschaftstheorie

Vogliamo tutto! Wir wollen alles!
Eine Einführung in die Geschichte der italienischen Autonomia und die Theorie und Kritik des Operaismus

Bernd Hüttner und Referent von assocaizione delle talpe.
Tagesseminar am Samstag 27. September 2008 / Bremen

Seit jeher gilt Italien als Projektionsfläche diverser Träume und Wünsche. Für die einen sind die Strände der Adria, für andere Kunst und Kultur und wieder andere schwärmen von den kulinarischen Reizen wie Pizza, Pasta und Tiramisu. Auch die deutsche Linke schaut seit jeher gern mit träumerischem Blick gen Süden. Die Geschichte der Resistenza, die vergangene Stärke der Kommunistischen Partei, die in zahlreichen Dörfern und Städten die Bürgermeister stellte, kämpferische Gewerkschaften und häufige Streiks, besetzte Zentren und eine militante autonome Linke – praktisch alle Facetten der Linken fanden und finden in Italien, was sie hierzulande meist vermiss(t)en.
Nächstes Jahr werden sich die Präsident_innen der führenden Industriestaaten beim G8-Gipfel in Italien ihr nächstes Stelldichein geben. Und auch die moderate wie radikale Linke beginnt bereits hier wie dort mit ihrer Gegenmobilisierung. Dieses rege Interesse an den italienischen Verhältnissen möchten wir zum Anlass nehmen, sowohl in die Geschichte der radikalen italienischen Linken als auch in die Theorie, Rezeption und Kritik des italienischen Operaismus einzuführen.

Die Einführung will von der politischen Integration der Kommunistischen Partei nach 1945 und der Entstehung einer autonomen Linken, der Phase der Stadtguerilla, etc. bis zur Herausbildung einer postautonomen Linken seit den 1990ern mit globalisierungskritischen Gruppen wie den Tutte Bianche und den Disobbedienti den historischen Verlauf der letzten Jahrzehnte skizzieren. Neben der Geschichte linker / linksradikaler Parteien und Gruppen soll aber besonders die Geschichte sozialer Bewegungen wie der feministischen Bewegung, alternativen Wohn- und Kommunikationsprojekten, etc. vorgestellt werden. Ausser dem historischen Interesse an der italienischen Autonomia wecken aktuell die Thesen post/operaistischer Theoretiker_innen das Interesse so unterschiedlicher linker Zusammenhänge wie antirassistischer und globalisierungskritischer Gruppen als auch der Debatten um Prekarisierung und Aneignung.

Um ein besseres Verständnis dieser Diskussionen zu bekommen, soll ein weiterer Schwerpunkt der Einführung auf der Präsentation der Theorie des Operaismus und Postoperaismus liegen, die seit den 1960ern in Distanz zum traditionenellen Marxismus eine originelle Neuinterpretation von Marx versuchten. So möchten wir die wichtigsten Thesen operaistischer Theoretiker_innen wie Mario Tronti, Toni Negri, Sergio Bologna etc. und ihre Begriffe wie militante Untersuchung, Klassenzusammensetzung, Massenarbeit, Kritik der Arbeit vorstellen. Auch postoperaistische Überlegungen um Empire und Multitude, Biomacht und immatrielle Arbeit sollen präsentiert werden. Abschließend wollen wir noch die Kritiken am Post/operaismus bzgl. einer gewissen Revolutionsromantik und eines bisweilen traditionellen Klassenbegriffs darstellen.

Das Einführungsseminar wird organisiert von associazione delle talpe in Kooperation mit der Rosa Luxemburg Intiative Bremen. Anmelden könnt ihr euch unter huettner(at)rosa-luxemburg(.)com. Die Teilnehme ist kostenlos.

Bernd Hüttner ist Mitarbeiter der Rosa Luxemburg Initiative, dem Bremer Regionalbüro der Rosa Luxemburg Stiftung und betreut seit 2000 das Archiv der sozialen Bewegungen in Bremen.

Die Einführungen setzen keine Vorkenntnisse voraus. Gewünscht ist eine respektvolle und offene Diskussionskultur, bei der sich niemand für Fragen zu genieren braucht oder sich wegen detaillierter Expert_innendebatten langweilen muss. Mit den Einführungen möchten wir zu Diskussionen über Geschichte, Theorie und Praxis der radikalen Linken anregen. Dabei geht es uns um die gemeinsame Aneignung und Weiterentwicklung kritischen Wissens. Denn die Waffen der Kritik gilt es für künftige Auseinandersetzungen scharf zu halten …

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